Wie viele Sätze pro Muskelgruppe pro Woche brauchst du wirklich?
Eine magische Zahl gibt es nicht, wohl aber sinnvolle Bereiche. Hier erfährst du, wie du harte Sätze zählst, wie viel Volumen Einsteiger und Erfahrene meist brauchen und wie du es über die Woche verteilst.
Wie viele Sätze pro Muskelgruppe pro Woche brauchst du wirklich, um Muskeln aufzubauen und stärker zu werden? Diese Frage stellt sich jeder, der regelmäßig trainiert, meistens nachdem er einen Plan mit sechs Sätzen Brust pro Woche gesehen hat und einen anderen mit zwanzig. Eine einzige richtige Zahl gibt es nicht. Es gibt aber sinnvolle Bereiche und ein paar einfache Regeln, mit denen du darin bleibst.
Was ist ein harter Satz?
Nicht jeder Satz zählt gleich viel. Ein Aufwärmsatz mit dem halben Arbeitsgewicht setzt kaum einen Reiz, ein Satz kurz vor dem Muskelversagen dagegen schon. Wenn vom Wochenvolumen die Rede ist, sind deshalb harte Sätze gemeint: Arbeitssätze, die nahe an deiner Grenze enden.
Am einfachsten schätzt du das über die Wiederholungen in Reserve ein, kurz RIR. Gemeint ist die Zahl der Wiederholungen, die du mit sauberer Technik noch geschafft hättest, als du die Hantel ablegst. Ein harter Satz endet in der Regel bei etwa 0 bis 3 Wiederholungen in Reserve.
- Zählt: Arbeitssätze mit ungefähr 0 bis 3 Wiederholungen Luft und sauberer Ausführung.
- Zählt nicht: Aufwärmsätze, leichte Techniksätze und Sätze, die du lange vor der Anstrengung beendest.
Der Wiederholungsbereich spielt eine kleinere Rolle, als viele denken. Ein schwerer Satz mit 6 Wiederholungen und ein leichterer mit 15 können beide harte Sätze sein, solange sie nahe am Versagen enden.
Wenn du nicht sicher bist, ob deine Technik unter Last hält, filme den Satz. TANK hat eine KI-Technikanalyse, die einen gefilmten Satz mit 0 bis 100 Punkten bewertet und dir Tipps zu jeder einzelnen Wiederholung gibt. So erkennst du leichter, ob ein Satz wirklich hart war oder nur unsauber.
Wie viele Sätze pro Muskelgruppe pro Woche? Sinnvolle Bereiche
Forschung und Trainerpraxis deuten auf ungefähre Bereiche hin, nicht auf exakte Zahlen. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Training, und was für den einen reichlich ist, kann für den anderen zu wenig sein. Sieh die Zahlen in der Tabelle als Ausgangspunkt, nicht als Gesetz.
| Trainingserfahrung | Harte Sätze pro Muskelgruppe und Woche | Hinweis |
|---|---|---|
| Einsteiger (bis etwa ein Jahr) | etwa 6–10 | Fast alles funktioniert, Technik hat Vorrang |
| Fortgeschritten (1–3 Jahre) | etwa 10–15 | Mehr Struktur nötig, um weiter Fortschritte zu machen |
| Sehr erfahren | etwa 12–20, für Schwerpunktmuskeln manchmal mehr | Setzt guten Schlaf, passende Ernährung und Planung voraus |
Als Einsteiger wächst du mit sehr wenig. Mehr Sätze bringen im ersten Jahr selten schnellere Ergebnisse, dafür mehr Muskelkater und ein höheres Risiko, dass die Technik schlampig wird. Mach lieber weniger Sätze richtig gut und steck deine Energie ins Erlernen der Übungen.
Mit mehr Erfahrung brauchst du meist mehr Volumen, um weiterzukommen, aber nicht unbegrenzt. Die meisten landen bei den meisten Muskeln irgendwo in der Mitte des Bereichs und legen bei den Muskeln, die sie gezielt verbessern wollen, etwas drauf.
Wenn du auch läufst oder Zirkeltraining machst
Laufen, HYROX-Einheiten und harte Zirkel zehren an derselben Erholung, vor allem in den Beinen. Bereitest du dich auf einen Wettkampf vor, halte das Beinvolumen im Kraftraum eher am unteren Ende des Bereichs und gib dem Oberkörper mehr Raum. Zirkel mit leichten Gewichten und vielen Wiederholungen zählen selten als harte Kraftsätze, machen dich aber trotzdem müde.
So zählst du Sätze bei Grundübungen
Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken und Rudern trainieren mehrere Muskelgruppen gleichzeitig. Zählst du einen Satz Bankdrücken als vollen Satz für Brust, vordere Schulter und Trizeps, sehen deine Wochenzahlen schnell größer aus, als sie sind. Eine einfache, weit verbreitete Faustregel:
- Der Muskel, der die Hauptarbeit leistet: zählt als ganzer Satz.
- Muskeln, die deutlich mithelfen: zählen als halber Satz.
- Muskeln, die vor allem stabilisieren: zählen gar nicht.
Ein paar Beispiele:
- Bankdrücken: 1 Satz Brust, 0,5 Satz Trizeps, 0,5 Satz vordere Schulter.
- Rudern und Klimmzüge: 1 Satz Rücken, 0,5 Satz Bizeps.
- Kniebeugen: 1 Satz vorderer Oberschenkel, 0,5 Satz Gesäß.
- Rumänisches Kreuzheben: 1 Satz hinterer Oberschenkel, 0,5 Satz Gesäß.
Das System ist nicht exakt, zeigt dir aber, welche Muskeln zu kurz kommen. Viele, die viel drücken, merken zum Beispiel, dass ihr Trizeps längst reichlich Arbeit bekommt und zusätzliche Isolationsübungen weniger wichtig sind als gedacht.
So verteilst du die Sätze über die Woche
Dasselbe Wochenvolumen lässt sich unterschiedlich aufteilen. Für die meisten funktioniert es besser, jede Muskelgruppe zweimal pro Woche zu trainieren, statt alles in eine Einheit zu packen. Die Qualität der Sätze sinkt nämlich, wenn du für denselben Muskel in derselben Einheit schon viel gemacht hast.
Als praktische Faustregel gelten etwa 3 bis 8 harte Sätze pro Muskelgruppe und Einheit. Gehst du deutlich darüber, bestehen die letzten Sätze oft vor allem aus Ermüdung und bringen wenig. Brauchst du mehr Volumen, füge lieber eine Einheit hinzu, statt die bestehenden zu verlängern.
- Drei Einheiten pro Woche: jedes Mal Ganzkörper, 3 bis 5 Sätze pro Muskelgruppe und Einheit.
- Vier Einheiten pro Woche: Oberkörper und Unterkörper, jeweils zweimal.
- Fünf oder sechs Einheiten pro Woche: zum Beispiel Push, Pull und Beine im Zweierdurchlauf. Braucht mehr Zeit und bessere Erholung.
Wann mehr nicht besser ist
Irgendwann bringen zusätzliche Sätze nichts mehr und drücken stattdessen deine Leistung. Wo dieser Punkt liegt, ist individuell und verschiebt sich mit Schlaf, Stress, Ernährung und dem, was du sonst noch trainierst. Anzeichen dafür, dass du mehr machst, als du verkraftest:
- Gewichte oder Wiederholungen gehen mehrere Einheiten hintereinander zurück.
- Der Muskelkater hält so lange an, dass er die nächste Einheit für denselben Muskel beeinträchtigt.
- Du schläfst schlechter, fühlst dich schlapp und hast keine Lust mehr aufs Training.
- Gelenke und Sehnen melden sich.
Merkst du mehrere dieser Zeichen gleichzeitig, ist es meist klüger, das Volumen eine Weile zu reduzieren, als stur weiterzumachen. Mehr ist nur so lange besser, wie du dich davon erholst und tatsächlich stärker wirst. Schmerzen, die nicht verschwinden, gehören in ärztliche Hände, nicht in den Trainingsplan.
So steigerst du die Satzzahl mit der Zeit
Volumen ist ein Werkzeug, kein Ziel an sich. Als Erstes solltest du versuchen, Gewicht oder Wiederholungen in den Sätzen zu steigern, die du schon machst. Das ist der Kern der progressiven Überlastung, und die meisten kommen damit lange weiter.
Stockt der Fortschritt, obwohl du gut schläfst und isst, kannst du Sätze hinzufügen. Geh dabei schrittweise vor:
- Füge der Muskelgruppe, die stagniert, 1 bis 2 Sätze pro Woche hinzu, nicht allen gleichzeitig.
- Bleib drei bis vier Wochen dabei und beobachte, ob sich die Gewichte wieder bewegen.
- Plane in regelmäßigen Abständen eine leichtere Woche mit etwa dem halben Volumen ein, zum Beispiel alle fünf bis acht Wochen oder wenn dein Körper es verlangt.
- Starte den nächsten Block mit etwas weniger Volumen, als du am Ende hattest.
Am einfachsten erkennst du, wann du steigern oder zurückfahren solltest, wenn du jede Einheit aufschreibst. Das Trainingstagebuch in TANK ist kostenlos und deckt Kraft, Zirkel und Laufen ab, sodass du Sätze, Wiederholungen und Gewichte Woche für Woche an einem Ort siehst.
Beispiel: eine Woche mit vier Einheiten
Hier ein Aufbau für Fortgeschrittene mit Oberkörper und Unterkörper je zweimal pro Woche. Alle Sätze sind Arbeitssätze mit etwa 1 bis 3 Wiederholungen in Reserve.
| Tag | Einheit | Übungen und Sätze |
|---|---|---|
| Montag | Oberkörper A | Bankdrücken 4, Langhantelrudern 4, Schulterdrücken 3, Klimmzüge 3, Bizepscurls 2, Trizepsdrücken am Kabel 2 |
| Dienstag | Unterkörper A | Kniebeugen 4, Rumänisches Kreuzheben 3, Ausfallschritte 3, Wadenheben 3 |
| Donnerstag | Oberkörper B | Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln 4, Latziehen 4, Rudern am Kabel 3, Seitheben 3, Hammercurls 2, Dips 2 |
| Freitag | Unterkörper B | Kreuzheben 3, Beinpresse 3, Beinbeuger 3, Hip Thrusts 3, Wadenheben 3 |
Nach der Faustregel oben kommt die Brust auf etwa 9 Sätze, der Rücken auf 14 und der vordere Oberschenkel auf 10. Der hintere Oberschenkel liegt bei etwa 7 bis 8, also eher knapp, und ist damit die naheliegende Stelle für einen zusätzlichen Satz Beinbeuger, falls er hinterherhinkt. Bizeps und Trizeps landen bei etwa 9 bis 11, wenn du die halben Sätze aus Drück- und Zugübungen mitzählst.
Als Einsteiger kannst du jede Einheit auf drei oder vier Übungen mit je 2 bis 3 Sätzen kürzen. Läufst du viel, streich Ausfallschritte und Beinpresse und behalte den Rest.
Protokolliere dein Training, filme deine Technik und sieh deinen Fortschritt. Das Trainingslog ist gratis.
App StoreGoogle PlayHäufige Fragen
Zählen Aufwärmsätze zum Wochenvolumen?
Nein. Nur Arbeitssätze, die nahe an deiner Grenze enden, also etwa 0 bis 3 Wiederholungen in Reserve, zählen als harte Sätze.
Sind 20 Sätze pro Muskelgruppe und Woche zu viel?
Für Einsteiger fast immer. Erfahrene landen bei einem Schwerpunktmuskel manchmal dort, aber nur, wenn die Gewichte weiter steigen und die Erholung mithält.
Wie viele Sätze pro Muskelgruppe sollte ich in einer Einheit machen?
Als Faustregel gelten etwa 3 bis 8 harte Sätze pro Muskelgruppe und Einheit. Brauchst du mehr, füge lieber eine Einheit hinzu, statt sie zu verlängern.
Kann ich jede Muskelgruppe nur einmal pro Woche trainieren?
Das geht, aber für die meisten funktioniert dasselbe Wochenvolumen besser auf zwei Einheiten verteilt, weil jeder Satz dann mit frischeren Muskeln erfolgt.